Systemische Therapie und Beratung

Hinter den Begriffen wie "Systemische Beratung", "Systemische Kurzzeittherapie", "Lösungsorientierte Beratung" oder "Lösungsorientierter Therapie" verbergen sich in der Regel Modelle, die auf der Systemtheorie, der Synergetik und der Selbstorganisationstheorie beruhen. Sie beschäftigen sich mit Prinzipien zur Veränderungen beim Menschen. In einem systemischen Setting wird das Ziel verfolgt, den Klienten eine selbstbestimmtere Entwicklung zu ermöglichen und durch einen achtsamen Umgang mit sich selbst neue Handlungsoptionen entstehen zu lassen.

Was bedeutet "systemisch"?

Der Begriff „Systemische Beratung“ vereint systemisches Denken und Handeln und liegt theoretischen konstruktivistischen Annahmen zugrunde (mehr zum Konstruktivismus im unteren Absatz). Systemisch Arbeiten heißt einer Einladung zu folgen etwas (zum Beispiel ein Problem) aus verschiedenen Perspektiven zu beobachten.

Der Begriff "systemisch" bezieht sich auf Systeme, wie zum Beispiel Menschen, Paare, Familien, Teams, Organisationen etc. In erster Linie liegt das Interesse auf den Zusammenhängen, Wechselbeziehungen, Kommunikationen und Beziehungen in und zwischen diesen Akteuren (Systemen). Im Focus steht dabei die Frage: „Wie funktioniert ein System?“, bzw. „Wie lauten die Spielregeln?“.

Zum allgemeinen Ziel der systemischen Therapie und der systemischen Beratung kann gesagt werden, dass Menschen über einen relativ kurzen Zeitraum lösungsorientiert auf dem Weg zur Erweiterung ihrer Kompetenz begleitet werden. An der Tür des Behandlungszimmers von Steve de Shazer, einem Mitbegründer der systemisch-lösungsorientierten Kurzzeittherapie soll dieser bezeichnende Satz gestanden haben: "Kurzzeittherapie ist nützlich für Patienten, aber nicht nützlich für Kurzzeittherapeuten".

Hypno-systemisch:

Der Begriff „hypnosystemsich“ wurde durch Gunther Schmidt in den 1980er Jahren geprägt. Er erkannte Gemeinsamkeiten in den systemisch-konstruktivistische Ansätzen und dem Konzept der Hypnotherapie nach Milton Erickson. Beide Ansätze gehen davon aus, dass die Probleme von Klienten in ihrer eigenen Wahrnehmung erzeugt werden und somit auch aus sich selbst heraus gelöst werden können.
Der „systemische Methodenkoffer“ wird mit der hypnosystemischen Methode um weitere Werkzeuge erweitert. Das breite Spektrum an Interventionen hilft im Bereich von Psychotherapie, Beratung, Coaching, Supervision, Führung, Team- und Organisationsentwicklung, um Selbstorganisationsprozesse anzustoßen.

Im Zentrum des Ansatzes steht vor allem der Blick auf Kompetenzen, Ressourcen und Lösungen. Frei nach dem Motto "Reden allein genügt nicht" wird die klassisch systemische Arbeitsweise von Beobachtung, Auftragsklärung, Hypothesenbildung, Zieldefinierung, Maßnahmenplanung und Umsetzung um die hypnosystemischen Interventionen mit Bildern, Symbolen, Metaphern oder Trancen bereichert. Auditiv, visuell und kinästhetisch- auf allen Sinneskanälen - werden alte und stabile Muster irritiert. So können Berater und Klient gemeinsam neue Sichtweisen und Lösungen (er-)finden und verankern. Die Wahrscheinlichkeit, damit Veränderung im System möglich wird, steigt.

Systemische Sichtweisen sind vom Konstruktivismus geprägt:
Der Konstruktivismus ist eine Erkenntnistheorie, die davon ausgeht, dass alle unsere Worte, Begriffe und Ideen nur Konstruktionen über die Welt sind, die auf unseren möglichen Wahrnehmungen beruhen. Sie können demnach nie unabhängig von unseren Sinneswahrnehmungen sein. Was wir wahrnehmen können, ist also immer wesentlich davon anhängig, über welche Möglichkeiten der Wahrnehmung wir verfügen. Die Wahrnehmungen werden von uns verarbeitet und daraus entwickeln wir unsere Sicht der Welt. Demzufolge verdeutlicht der Begriff Konstruktion, dass unsere Erkenntnis von unserer Wahrnehmung abhängig ist und nicht zwangsläufig die Abbildung einer Realität außerhalb von uns ist.

Nach dieser Philosophie stellt sich nicht die Frage nach "richtig" oder "falsch", sondern es wird nach Brauchbarkeit und Nützlichkeit gefragt.
Können wir also in unserem System erfolgreich unsere Ziele erreichen oder ist es günstiger die Grenzen des Systems anders verlaufen zu lassen?

Was ist überhaupt ein System?

Die schlechte Nachricht: Aus systemtheoretischer Sicht, gibt es gar keine Systeme! Die gute Nachricht: Deshalb kann man sich zahllose Systeme konstruieren - solange sie sich als sinnvoll herausstellen und praktisch nützlich erscheinen.
Der Begriff "System" ist so wie auch jeder andere Begriff nur eine Konstruktion des Betrachters. Wir Menschen interpretieren die Welt so, wie es uns hilfreich erscheint, um die Dinge bessser verstehen zu können. So können wir Ideen entwickeln, um erfolgreich in unserer Welt handeln zu können. Die Welt in konstruierten Systemen zu betrachten, dient unserer Orientierung - wir schaffen uns eine Art Landkarte. Es ist allerdings hilfreich, einen auf der Landkarte eingezeichneten Berg nicht mit dem wirklichen Berg zu verwechseln oder ihn als einen solchen wirklichen Berg zu betrachten. Die Landkarte ist uns so lange hilfreich, wie sie uns bei der Orientierung hilft.

Die Elemente eines Systems sind wie in einem Mobile miteinander verbunden - bewegen sich in diesem Mobile einzelne Elemente, werden diese Bewegungen auf das Ganze übertragen. Wird ein Teil in einem System verändert, wird notwendigerweise das gesamte System beeinflusst. Das Bild eines Mobiles veranschaulicht, dass sich das Ganze von der Summe seiner Teile unterscheidet, es hat eine andere Qualität:

  • ein Musikstück ist mehr, als die Summe der einzelnen Noten und
  • ein Team kann etwas anderes leisten, als nur ein Einzelkämpfer.

Vorgänge in Systemen können also als zirkuläre Wechselwirkungen gesehen werden, weil sie sich gegenseitig beeinflussen. Lebende Organismen, Organisationen oder gesellschaftliche Gruppen sind "offene Systeme" und leben im ständigen Austausch mit ihrer Umgebung und beeinflussen sich gegenseitig. Biologische Organismen streben nach Regelmäßigkeit und Stabilität und erhalten sich selbst aufrecht.